zum besseren verständnis was ein hund ist, was er braucht und was getan werden soll damit ein harmonisches zusammenleben stattfinden kann
es ist schon lange her seitdem ich den letzten blog geschrieben habe. nicht, weil es nichts mehr zu schreiben gegeben hätte. der grund liegt einfach in der fehlenden zeit, was bei pensionären ja bekanntlich so üblich ist, und weil ich mich immer mehr aus dem geschäft zurückgezogen habe. Chris hat nun, was die kundenbetreuung angeht, zu 98 prozent übernommen. das bringt nun auch mit sich, dass ich nicht mehr so auf dem laufenden bin, was vor ort geschieht. natürlich erzählt er mir, bei unserem täglichen austausch beim abendessen, was so läuft. das ist nice zu hören, aber nicht dasselbe wie vor ort zu erleben. irgendwie fehlt die intensität. trotzdem bleibt aber von seinen berichten einiges hängen, vor allem gewisse problematiken vor die er sich gestellt sieht, und die sich regelmässig wiederholen. unendlichen geschichten gleich. zwar wundert es mich immer wieder, dass es immer noch so ist. schon zu meiner zeit waren gewisse haltungenbei haltern einfach nicht auszumerzen aber ich hoffte,dass es doch veränderungen gegeben hat. es sind ansichten die einfach überholt, und in der heutigen zeit mit unserer vielfalt und aufklärung völlig antiquiert sind. dabei tun nicht nur wir, sondern mit uns viele andere kynologisch ausgebildete das menschenmögliche einen fortschritt in der denkweise, wenn es um hundehaltung geht, zu fördern. ich denke, schon unsere 3 stündige erstabklärung ist diesbezüglich sehr aufschlussreich. es wird erklärt was ein hund ist, welche bedürfnisse er hat, was es mit der vermenschlichung auf sich hat, rechtliche sachen werden besprochen, gesundheitliche aspekte angeschaut, betreffs fütterung werden ratschläge erteilt und trainingstools erklärt. und das alles auf wissenschaftlichen erkenntnissen abgestützt. ein weiterer wichtiger punkt ist die zielvorgabe und wie diese am besten erreicht werden kann. für welpen- und junghundausbildungen gibt es einen trainingsplan, bei der verhaltenstherapie ist das nicht möglich denn da muss sehr individuell gearbeitet werden. auch wird, bei der erstabklärung und dann immer wieder in den lektionen darauf hingewiesen, dass ganz egal um welche ausbildung es sich handelt, viel zeit, sehr viel geduld, konsequenz, verständnis und nerven, sowie viel liebe zum hund notwendig ist. aber auch die bereitschaft zu verzicht wenn es um eigene bedürfnisse geht, und, dass sehr viele menschliche wunschvorstellungen revidiert werden müssen. nun meine frage, ist das alles so schwierig zu begreifen? sind die informationen so abgehoben, dass sie nicht verständlich sind, oder möchten viele hundehalter sie einfach nicht zu kenntnis nehmen, weil es zu stark im privatleben einschränken würde, oder ist es eine latente angst, würde man die ratschläge befolgen, es mit zuviel arbeit verbunden ist oder bekommt das vorhandene bild von hundehaltung risse? müsste eine illusion korrigiert werden? was auch schon wieder mit anstrengung verbunden ist.
ein zuchtwelpe braucht sehr viel ruhe, intensive arbeit an
der beisshemmung, mehrmalige fütterung am tag, täglich mehrere
versäuberungsspaziergänge etc. es sind nur ein paar beispiele die ich hier
aufführe. die liste ist wie vieles in der hundehaltung sehr breit gefächert und
wegen der ressourcen die halter und hund mitbringen sehr individuell zu
beurteilen. was aber immer aufgewendet werden muss, egal wie die situation ist,
das ist zeit, zeit und nochmals zeit. viel, viel zeit und damit verbunden
logischerweise auch geduld.es ist wie bei einem sportler. nur eine immense
trainingsleistung bringt ihn an die spitze. und genauso ist es beim hund. man
kann ihm nur mit viel training etwas beibringen. und was bedeutet training? viel
einsatz, kleinschrittiges vorgehen, sich von vielen rückschlägen die immer
wieder stattfinden nicht frustrieren lassen. dabei ist es wichtig sich den
bedürfnissen und den für den hund möglichen trainingsschritten anzupassen. so
lassen sich stresssituationen für beide seiten vermeiden und fortschritte
erzielen.
Herr MORITZ MÖTZLI, 8 Jahre alt, wurde als Kindersatz gehalten. Kam mit 3 Jahren zu Chris und Reto nachdem er aus Unterforderung einen Beissvorfall produzierte.
etwas anders sieht es aus, wenn ein junghund oder bereits erwachsener hund ins haus kommt. dabei spielt es nur sekundär eine rolle ob er aus dem ausland oder inland kommt. primär ausschlaggebend ist, wie das bisherige hundeleben verlaufen ist. hat der hund eine gute erziehung geniessen können, ist ein ruhiges einleben in die neue umgebung und familie entscheidend und, dass kontinuierlich an seiner erziehung weitergefeilt wird. solche fälle gibt es wiederholt. auch bei auslandhunden. aber leider gibt es mehr fälle bei solchen übernahmen, wo das bisherige leben des hundes suboptimal verlaufen ist. der hund ist verwildert weil er keine erziehung genossen hat, oder er ist nur in sehr beengten verhältnissen gehalten worden, musste stundenlang im eigenen kot liegen, ist geschlagen worden, ist ungepflegt, wurde als streuner mit gewalt eingefangen, kommt aus der tötungsstation….kurz gesagt, sind traumatisiert. einfach mal als erstes. diese hunde brauchen bis zu 3 jahren bis sie sich vorbehaltslos zum vertrauensvollen gefährten entwickeln. mit jedem vertrauensschritt den sie machen, gleich einer zwiebel die geschält wird, geben sie etwas mehr von sich preis. dies geschieht im hündischen tempo. wir können dabei nur mit viel achtung, liebe, geduld und sorgsamkeit unterstützen. das ist der einzige einfluss den wir bei diesem prozess nehmen können. diese hunde haben grösstenteils das vertrauen in die spezie mensch verloren. ihre seele ist gebrochen. dies wieder einigermassen hinzubiegen, ist mit viel einsatz aber auch frust verbunden. und zwar beidseitig. was bei einer solchen integration wichtig ist, ist die kleinschrittigkeit. die wiederum braucht zeit und geduld. und sämtliche vorstellungen über die hundehaltung wirft man am besten gleich mal über bord. auch die wunschliste die man an den hund hat. da ist noch lange nichts mit öv fahren, im wald frei lassen, joggen gehen, hundesport machen, den hund an familienfeste mitnehmen, märkten einen besuch abstatten oder gleich mit ihm in urlaub fahren. kommt er aus dem ausland muss er sich erst mal an unser umfeld gewöhnen, an das haus oder die wohnung, unsere sprachmelodie unser verdichtetes umfeld den lärmpegel in dem wir leben, unsere gerüche und unsere rituale und wie schon erwähnt, das braucht nicht tage, wochen oder monate, das braucht jahre.
nun kommen wir noch zu einem punkt der sehr wichtig ist. ganz
egal was für ein hund wir zu uns holen. die vermenschlichung. sie findet nicht
erst seit neustem statt sondern die ist seit ca. 36'000 jahren im gange. seit
der domestikation der hunde. nur wird es immer übertriebener. wir müssen uns
aber einfach mal bewusst sein, dass der hund nie nach einer leine, einem
geschirr, einem fressnapf, einer bodenheizung, einer fahrt im zug, einem besuch
auf einem markt oder die begleitung in ein kosmetikstudio etc., gebellt hat.
das verlangt der mensch mit seinem egoismus. und am liebsten subito. ohne
zeitraubendes training ohne den geringsten aufwand. der hund muss es einfach
können und aushalten, weil der mensch es so will. er soll auch den ganzen
familientürk mitmachen. schliesslich ist er ein familienmitglied, zwar nur ein
hund, aber dennoch familienmitglied. und darum gehört sich das so. dass er sich
aber wohler fühlen würde, könnte er in ruhe zu hause chillig eine auszeit
verbringen, das ist für viele halter eine komponente die sehr schwer zu
akzeptieren ist. man hat ja ein hund damit man ihn zeigen kann und der am bein
kleben muss bei allem was man unternimmt. wie ein accessoire. leider sind diese
ansichten menschliche ansichtsweisen und haben mit einem tollen hundeleben
nichts, aber auch gar nichts gemeinsam. empathie für den hund ist da nicht viel
vorhanden, da sind nur eigene egoistische wünsche die erfüllt werden sollen. ob
das, das ziel einer erfolgreichen hundehaltung ist? natürlich können
menschliche wünsche und ein gutes, gesundens hündisches leben in einklang
gebracht werden, aber dazu braucht es viel training, verständnis, gegenseitiges
vertrauen, manchmal verzicht, viel empathie und rücksichtsnahme und toleranz.
noch eine letzte anmerkung:
der hund, ganz egal wie gross
oder klein er ist, er ist und bleibt ein raubtier, und ist kein kinderersatz. und
so ist er auch zu betreuen und zu halten.
in letzter zeit haben diese punkte bei uns die
abendessenszeit beherrscht. immer und immer wieder haben wir hinterfragt, warum
es so schwierig ist, haltern verständlich zu machen, dass ein wesen geholt
worden ist, das einfach mal anders tickt als ein mensch. ein wesen, das sehr
feinfühlig und sensibel ist, bedürfnisse hat die mit unseren sehr oft nicht im
einklang stehen, aber wenn man es geschickt macht und sie mit unserem
lebensstil verbinden kann dann hat man einen treuen, wertfreien begleiter über
eine anzahl jahre hinweg, wie es ein mensch nur schwerlich sein kann.







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